Gemütlich träumen im Strandkorb

Liebe Urlauber, haben Sie Ihren Strandkorb mit dem Rücken zum Wind und mit der Vorderseite zur Sonne gestellt? Diese Position bietet nicht nur Schutz vor der frischen Seebrise, sie kann auch – mit Glück – einen ungestörten Blick auf die See weit bis zum Horizont bieten. Vor zu viel Sonne werden Sie von einer Markise, die sich individuell einstellen lässt, geschützt. Die Rückenlehne Ihres Strandkorbes ist flexibel und zurückgestellt, Sie liegen bequem und relaxed, Ihre Beine ruhen auf der ausfahrbaren Fußbank; die gesunde Seeluft, der rhythmische Gleichklang der Wellen und die typischen Strandgeräusche wie z. B. gieriges Möwengekreisch und das Lachen und Juchzen von glücklichen Kindern tragen zu Ihrem Wohlbefinden und zu ihrer Erholung bei.
Von dieser Gemütlichkeit und Geborgenheit in Ihrem Strandkorb haben Sie geträumt, als Sie an einem kalten, dunklen Wintertag genau diesen Strandkorb, in dem Sie jetzt glücklich sitzen, reserviert haben. Sie dachten an Sonne, Wärme, Strand und Meer und an eine, wenn auch nur kleine, private Sphäre in Ihrem Strandkorb. Kurz, Sie dachten an einen perfekten Urlaub am Strand. Lassen Sie sich von unserem Ratgeber inspirieren!

Die Geschichte des Strandmöbels

Der erste Prototyp des heutigen Strandkorbs – egal ob der moderne Strandkorb heute an der Nordsee- oder Ostseeküste steht -, ist an der mecklenburgischen Ostseeküste gefertigt worden. Und das kam so:
Im Juni 1892 verbrachte die rheumakranke Elfriede von Maltzahn ihren Urlaub im damals schon sehr beliebten Ostseebad Warnemünde; für die Stunden am Strand wünschte sich Elfriede von Maltzahn eine komfortable Sitzgelegenheit, die Sicht- und Wetterschutz bieten sollte. Wilhelm Bartelmann, seinerzeit kaiserlicher Hof-Korbmachermeister in Rostock, kam dem Wunsch der adeligen Dame nach und konstruierte den ersten Strandstuhl aus Weiden und Rohr. Dieser Stuhl war ein Einsitzer und hatte eine starre, unverstellbare Rückenlehne und ein rundes, geschwungenes, haubenartiges Dach. Erst 15 Jahre später wurden Stühle mit variabler Rücklehne produziert. Doch zuvor hatten Wilhelm Bartelmann und seine geschäftstüchtige Ehefrau Elisabeth, die das gewinnbringende Potenzial des Korbes erkannte, mit der Produktion von Strandkörben viel zu tun. Bereits 1893 stand im „Allgemeinen Rostocker Anzeiger“ folgende Offerte, die auf die Initiative von Elisabeth Bartelmann aufgegeben wurde:
„Badegästen empfiehlt Strandstühle als Schutz gegen Sonne und Wind und gibt solche auch in Miete“ W. Bartelmann“.

Nur ein kleiner Unterschied

Wilhelm Bartelmann ließ sich seine geniale Erfindung nicht patentieren. Andere Handwerker entwickelten den Urtyp des Strandkorbs weiter und vervollkommneten das urige Gebilde aus Weiden, Rohr und Holz sowie aus Segeltuch für die Innenbespannung. Es entstanden zweisitzige Modelle mit Fußstützen, Armlehnen, ausklappbaren kleinen Tischchen und dem charakteristischen breiten Streifenmuster der Markisen und Sitzbezügen. Schon nach kurzer Zeit wurden auch an der Nordseeküste Strandkörbe gefertigt und aufgestellt. Beide Strandkorb-Varianten sind fast baugleich; sie unterscheiden sich nur durch die Form der Seitenwangen. An der Ostsee dominiert die original Strandkorbkonstruktion von Wilhelm Bartelmann. Dieser Strandkorb hat eine weichere, geschwungenere Form als sein Halbbruder von der Nordseeküste. Bereits um die Jahrhundertwende war der Strandkorb in den angesagten Seebädern an Deutschlands Küsten nicht mehr wegzudenken. Heute wird jeder Strandkorb – egal ob an der Ost- oder Nordsee – mit witterungsbeständigem Kunststoffgeflecht verkleidet. Die Zahl der Mietstrandkörbe an den deutschen Küsten wird auf über 100.000 Stück geschätzt.

Longseller und Prominenz

In über 125 Jahren Strandkorbindustrie entwickelte sich Wilhelm Bartelmanns Strandkorb nicht nur kontinuierlich weiter, er avancierte auch zu einem Verkaufsschlager, der nicht nur im Binnenland Sinnbild für Urlaub, Sonne und Entspannung ist, sondern seit Juni 2007 einen hohen, internationalen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Das Gruppenbild der G-8-Teilnehmer, die sich in Heiligendamm in einem Strandkorb der XXL-Kategorie fotografieren ließen, ging weltweit durch die Medien. Diese kostenlose PR hat der Strandkorb jedoch nicht nötig gehabt, denn nicht nur bei Nord- und Ostsee-Urlaubern besteht schon länger der Wunsch, das Urlaubs- und Strandkorbgefühl auch zu Hause zu genießen. Sei es im Garten auf der eigenen Terrasse oder auf dem Balkon. Es gibt für jeden Geldbeutel und Platzbedarf ein passendes Modell. Angeboten wird der Strandkorb für den privaten Bedarf als Ein-, zwei oder gar als Mehrsitzer. Innen- und Außenmaterialien, Liegeflächen und die Markisen- sowie Innenbespannungsfarben variieren. Wer es besonders bequem haben möchte, entscheidet sich für einen sogenannten Halb- oder Volllieger.
Und wer auf Ausstattungsindividualität keinen großen Wert legt und darüber hinaus nur über ein geringes Budget verfügt, kann an einer Strandkorb-Auktion teilnehmen. Versteigert werden ausgediente und wegen des zu hohem Reparaturaufwandes ausgemusterte Körbe. Die Auktionen finden in den Wintermonaten in den Küstenbadeorten statt. Auktionstermine und Tipps werden auf den Websites der Strandkorbvermieter bekannt gegeben.
Pfiffige Gastronomen mit Stellmöglichkeiten im Außenbereich haben längst die große Beliebtheit des Strandkorbs bei allen Bevölkerungsgruppen erkannt: Nach einem tollen Strandtag steigert das Sitzen im beliebten Strandkorb nicht nur den Genuss von delikaten Speisen und Getränken; er bietet auch Beschaulichkeit und Entspannung. Für Outdoorfans werden Volllieger-Strandkörbe als besondere Übernachtungsmöglichkeit am Strand von einigen Ostseebädern angeboten. Die Kosten pro Korb und Übernachtung liegen zwischen ca. € 60,- und € 120,- und hängen von den Ausstattungsmerkmalen, ob z. B. Verpflegung in Form eines Picknickkorbes, Bettwäsche und Bademäntel gewünscht werden, ab. Beziehen kann man den Übernachtungs-Strandkorb schon mittags; er muss jedoch am späten Vormittag des Folgetages wieder geräumt werden.

Frühbucher oder Lastminute?

Die Mietpreise für einen Tagesstrandkorb variieren je nach Urlaubsregion, Saison und Mietzeitraum und liegen für einen Korb zwischen ca. € 8,- und ca. € 12,- pro Tag. Früh- und Langzeitbucher können nicht nur sparen, sie haben auch die Möglichkeit, die exakte Lage ihres Strandkorbes an der favorisierten Strand- und Badestelle festzulegen. Die Miete für einen Strandkorb in der ersten Reihe nahe am Wassersaum – sozusagen mit unverbaubarem und exklusivem Blick auf die See – ist etwas höher als die Miete für einen Strandkorb, der in enger Nachbarschaft und zudem im hinteren Strandbereich mit Artgenossen steht. Urlauber, die erst mittags zwecks Anmietung eines Strandkorbes zum Vermieter kommen, können für einen Schnäppchentagespreis einen Strandkorb beziehen. Sie müssen sich allerdings mit weniger attraktiven Strandkorblagen begnügen.

Kein Winterschlaf für den Strandkorb

Mit Beginn der stürmischen, kalten Herbstsaison, zu Zeiten, währenddessen nicht einmal der legendäre Strandkorb vor dem Unbill des Wetters schützen kann, werden die ca. 75 kg schweren Körbe mithilfe eines starken Treckers oder mit Pferdefuhrwerken – auf jeden Fall sind starke Männerarme und -hände mit von der Partie – auf stabile Anhänger geladen und in sog. Strandkorbhallen gebracht. Nicht immer gelingt dies rechtzeitig und die sturmgepeitschte See holt sich mit Hilfe von tosender Brandung einen Strandkorb auf nimmer Wiedersehen. An welch´ fremder Küste der Korb angetrieben wird, ist ungewiss. Sicher ist dies: das Phänomen Strandkorb mit seinen Ausstattungs- und vielseitigen Einsatzmerkmalen ist nur an deutschen Küsten zu finden. Schon auf der nahe der holländischen Grenze gelegenen Nordseeinsel Borkum wird das Strandbild von waagerecht gestreiften Strandzelten, wie sie an den niederländischen und belgischen Küsten vorkommen, geprägt.
Ob nun der Strandkorb einem kommerziellen Strandkorb-Vermieter oder einer Kommune gehört, für alle Körbe gilt: Während der Wintermonate werden sie sorgfältig auf Schäden untersucht und fachmännisch repariert.

Zurück an den Strand in die Sonne

Mittlerweile ist es später Nachmittag geworden und Aufbruchstimmung macht sich bemerkbar. Taschen werden gepackt, Kinder gerufen und angezogen; ein letzter Blick, ob nichts liegen geblieben ist… Und wenn dies doch mal passiert: Später am Abend macht der Strandkorbvermieter noch mal seine Runde. Er kontrolliert die Körbe auf Schäden, findet Vergessenes, stellt Rückenlehnen gerade und rückt den einen oder anderen Korb an die richtige Stelle, damit für den nächsten Urlaubstag wieder alles perfekt ist.